KiD e.V. - Logo 100  Reportage

  Stadtführungen in Bremen

 
Kenia im November 2006

Gelacht wird überall auf der Welt

Sie leben in einem Dritte-Welt-Land. Eigentlich haben sie nichts zu lachen. Und doch tun sie es. In ihrem KiD-Kindergarten Diani Beach, Kenia.

Sie lachen. Sie spielen Fangen und Verstecken. Sie springen gerne mit dem Seil und noch viel lieber spielen sie mit ihren neuen Spielsachen. Anna zum Beispiel. Sie spielt gerne mit dem Teddy. Dem fehlt zwar schon ein Bein, aber das macht gar nichts. Hauptsache er ist jeden Morgen in der kleinen gelben Kiste neben dem Eingang und kann sofort von ihr in Beschlag genommen werden. Moses hingegen ist dem kleinen roten Rennwagen verfallen. Damit fährt er immer um die ganze Welt. Auf der Weltkarte an der dunklen Holzwand. Er fährt und fährt. Ganz für sich alleine. Er fährt gerne zu den Tieren, in die Steppe. Nach Mombasa. Der nächstgelegen Großstadt. Gerne fährt er auch zum Nordpol. Da soll es nämlich Schnee geben. Doch am liebsten fährt er zu Heike und Heinz. Den beiden "Weißen". Ihnen verdankt er es hier mit seinem Wagen spielen zu können. Sie sind die Gründer des KiD - Kindergarten in Diani e.V. (Kenia). Einem Kindergarten mit Vorschulerziehung. Hier lernen die Kinder ihre ersten Worte Englisch. Unverzichtbar für einen späteren Job. Sie lernen Lesen, Rechnen und Schreiben und bekommen eine warme Mahlzeit. Für die meisten ist dies oft die einzige Mahlzeit am Tag. Doch vor allem können Sie hier ihrem Alltag ein bisschen entkommen.

Und genau deswegen fährt Moses gerne zu Heike und Heinz. Er weiß auch schon genau wo er die beiden auf der großen Weltkarte findet. Nur ein kleines Stückchen schräg nach links oben fährt er dann. Mit seinem roten Flitzer. Dort hin wo die zwei Strichmännchen eingezeichnet sind. Nach Deutschland. Genauer gesagt in die Hansestadt Bremen. Weit ist das ja nicht. Eine Sekunde braucht er gerade mal von A nach B. Heike und Heinz hingegen brauchen ganze 8 Stunden um zu ihren kleinen "Steppenhoppsern" zu gelangen.

Seit 1993 fahren Sie nun schon regelmäßig nach Kenia. Anfangs noch in eine der zahlreichen Hotelanlagen. Mittlerweile in ihr eigenes Ferienhaus. Am Rande eines afrikanischen Dorfes. Natürlich abgeschirmt durch dicke weiße Mauern. Das ist hier so üblich. Eintauchen in den afrikanischen Alltag wollten sie hier. Endlich, so dachten Sie, würden Sie ein bisschen Seelenfrieden finden.

Doch das war weit gefehlt. Elend und Armut der Menschen ihrer Umgebung ließen Sie nicht mehr los. Einfach wegsehen? Nicht ihre Art. Anpacken, was ändern, das Übel an der Wurzel packen. So ihre Devise. Sie redeten mit einheimischen Freunden und Freunden zu Hause. Schnell war klar, der Knackpunkt liegt in der Bildung. Ohne Bildung kein Job. Ohne Job kein Einkommen. Ohne Einkommen kein Essen. Die Lösung: Ein Kindergarten mit Vorschulerziehung. Na dann mal an die Arbeit.

2003 war es dann soweit. Sie setzten ihre Idee dem Kindergarten in die Tat um.

Schnell entstand eine Kooperation mit der neuapostolischen Kirche in Kenia. Sie stellten den Kindern eine Wellblechhütte zur Verfügung. Nach einem Jahr der Selbstfinanzierung gründeten Heike und Heinz mit fünf Freunden einen eingetragenen Verein.

Der KiD-Kindergarten in Diani e.V. war geboren. Die Spendengelder flossen. Ein eigenes Grundstück für den Kindergarten konnte gekauft werden. Erst mal wurden die Mauern gezogen. Damit auch ja keiner die Baumaterialien oder wo möglich noch die Spielsachen klauen kann. Dann konnte mit dem Bau des neuen großen Kindergartengebäu-des begonnen werden.

Gar nicht so einfach. Denn Bürokratie gibt es auch hier zu genüge. "Wer in Deutschland auf die Bürokratie schimpft, dem würden hier gänzlich die Worte fehlen!", so Heinz Isbrecht. Immer wieder endlos viel Papierkram. Immer wieder Auseinandersetzungen mit der Regierung. Eine Idee der beiden war z.B. die Kinder die Eingangstore des neuen Grundstückes bunt bemalen zu lassen: Verboten, Kinderarbeit!! Auch ist es von höchster Priorität 6 Toiletten für 16 Schüler zu bauen. Unverständnis. Kinder verhungern im Straßengraben, lassen sich prostituieren. Geld für Schulbildung ist nicht vorhanden. Aber Hauptsache es gibt 6 Toiletten. Sprachlosigkeit gab es auch bei den Kosten. "Wenn hier jemand als Deutscher etwas kaufen will, muss er gleich doppelt so viel abdrücken." Die haben ja Geld. Die Weißen. Doch Bürokratie hin oder her, Hauptsache den Kindern geht es gut. Heike und Heinz wissen genau: Die Kleinen brauchen die Hilfe des Vereins.

Selbst haben Sie keine Kinder. Und können sich somit ganz auf ihre mittlerweile 30 Schützlinge in Kenia konzentrieren. Und das haben die kleinen auch bitter nötig.

Nicht selten wachsen Sie in Großfamilien auf. Da ist das mit der Aufmerksamkeit so eine Sache. Klar, man sagt: Afrika das Land der unendlichen Weiten. Nicht für Sie. Ihr privater Lebensraum beschränkt sich oft auf gerade mal 8 qm. So spielt sich ihr Leben weit aus häufiger auf den überfüllten und dreckigen Straßen ab. Alte Gummireifen und Müll prägen hier das Straßenbild. Und immer wieder verstopfen Lkws die Wege. Spielen kann man dort nicht. Da sind Sie doch im KiD-Kindergarten viel besser aufgehoben. Hier machen Sie sogar Ausflüge zu den Tieren. Die Tiere ihres eigenen Landes sehen Sie dann. Auf der Straße sieht man die ja nicht. Dabei haben Sie immer sehr viel Spaß. Sie sind neugierig, aufgeweckt und Sie gehen gerne in ihren Kindergarten. 

Doch nach dem Kindergarten müssen sie in die Schule gehen. Die liegt ca. 6 Kilometer weit entfernt. 

Sogar in den Ferien versammeln sich die Kleinen auf ihrem neuen Kindergartengrundstück. Auch die älteren, die Schulkinder sind dabei. Das ist aber nur eine Ausnahme. Sie wollen Heinz und Heike willkommen heißen. Die sind wieder einmal für 3 Wochen in Kenia. Mal nach dem rechten schauen und den Bau des neuen Gebäudes vorantreiben. Gut sieht es schon aus.

Die Mauern stehen schon. Selbst das hellblaue Dach ist schon fertig. Doch noch findet der Unterricht in einer kleinen Holzhütte neben dem Betongebäude statt. Und genau dort warten die kleinen Steppenhopser nun...

Noch wird gerangelt und geschupst. Dann erspähen Sie Heike und Heinz. Brav stehen sie Spalier. Von klein nach groß, wie die Orgelpfeifen, stehen sie dort. Die 16 Jungs und Mädchen des KiD-Kindergart-ens. Erwartungsvoll und voller Vorfreude. "Jambo, Jambo habari... -" Hallo, hallo wie geht's?" sagen Sie. Ganz laut und voller Überzeugung. Und mit ihren großen Augen sagen sie einem nochmals: Herzlich willkommen, schön das du bist.

Fleißig singen die kleinen ein afrikanisches Volkslied nach dem anderen. Erst als Joshua, ein Freund der Isbrechts und zugleich Manager des Kindergartens, eingreift, verstimmen die afrikanischen Klänge. Der Unterricht soll beginnen. Sie wollen ja zeigen, was Sie alles schon gelernt haben! Schnell wird aus den geordneten Reihen wieder ein kleiner wuseliger Haufen, der in die kleine Hütte drängt. Ganz normal wie in jedem Kindergarten, wird gerangelt, geschupst und gequasselt. Alle wollen Heike und Heinz an die Hand nehmen. Und mit ihnen zusammen in die Hütte gehen. Jeder versucht ein bisschen Aufmerksamkeit zu erhaschen. 
"Pole Pole - "langsam langsam" versucht Joshua die Kleinen zu beruhigen.
Doch seine Worte finden keinen Anklang. Erst als alle auf ihren Plätzen sitzen, kehrt wieder ein wenig Ruhe ein. Aufgeregt sitzen Sie da. Immer wieder drehen sich um. Zu Heike und Heinz.

Heute lernen Sie Englisch. Das Alphabet steht schon fein säuberlich auf der Tafel. Die Kinder wissen genau was sie jetzt zu tun haben. Zielstrebig nimmt einer der älteren Jungs den Bambuszeigestock in die Hand. Setzt diesen beim Buchstaben "A" an der Tafel an. Dann beginnt er: "A" (auf Englisch) - wie ein Echo die anderen KiD's "A". Ja, und wer A sagt muss folglich auch B sagen. "B" - und die Klasse schreit zurück "B". So gehen sie das ganze ABC durch. Und weil's so schön war gleich noch mal. Immer euphorischer und lauter werden sie. Mittlerweile hat sich vor der Tafel eine Traube gebildet. Jeder will den Stock halten. Jeder will ganz vorne mit dabei sein. Und wer so fleißig ist hat ja auch eine Belohnung verdient.

Nach dem Unterricht gibts deshalb heute leckere Bananen. Die schmecken ganz süß. Außerdem haben Sie noch eine Kleinigkeit aus Deutschland mitgebracht. Traubenzucker. Dextro Energy.

Die nehmen die kleinen erstmal in den Mund ohne das Papier ab zu ziehen. Schnell merken sie, dass da irgendwas nicht stimmt. Süß soll das schmecken? Nicht wirklich.

Nach dem Heike und Heinz ihnen gezeigt haben wie man die Dinger genießbarer machen kann, macht es Ihnen einen riesigen Spaß die kleinen roten Streifen abzuziehen. So blödeln Sie herum und erfreuen sich ihrer kleinen Traubezucker-stückchen. Schnell haben die Kleinen auch alle Spielsachen ausgekramt. Und genauso so schnell sind sie völlig vertieft im Spielen... 

Gelacht wird überall auf der Welt. Auch hier in Kenia, Diani Beach. 

Dank dem KiD-Kindergarten in Diani e.V. und Heike und Heinz Isbrecht.

Karin Friedrichs, November 2006
 






Der kleine Moses mit schicker Sonnenbrille.
Der kleine Moses mit schicker Sonnenbrille.
(Foto: Karin Friedrichs)








Heike, Edward, Heinz und zwei Besucher, vor dem Kindergartengebäude.
Heike, Edward, Heinz und zwei Besucher, vor dem Kindergartengebäude.
( Foto: Karin Friedrichs)








Das neue Kindergartenhaus.
Das neue Kindergartenhaus.
(Foto: Karin Friedrichs)








Die kleine Fridaus genießt das Dextro Energy.
Die kleine Fridaus genießt das Dextro Energy. (Foto: Karin Friedrichs)